Der aktuelle Hype, den besonders der Spiegel um die “neuen Erkenntnisse” aus den geheimen Dokumenten bei WikiLeaks veranstaltet, ist lächerlich. Jedem, der sich mit dem Thema befasst, waren die “Enthüllungen” seit Jahren bekannt. Aus den bislang analysierten Dokumenten ergibt sich nämlich wirklich nichts Neues und schon gar keine Neubewertung der Lage. Neu in der öffentlichen Berichterstattung ist zwar die Information über den Einsatz von MANPADS durch die Aufständischen, dies ist aber für den Durchschnittsbürger irrelevant und wird auch in der Debatte nicht wirklich diskutiert.
Einmal mehr muss es also heißen: In Afghanistan nicht Neues!
Spancer Ackerman fasst das wenige “Neue” aus amerikanischer Perspektive gut zusammen:
Longtime Afghanistan watchers are diving into Wikileaks’ huge trove of unearthed U.S. military reports about the war. And they’re surfacing, as we initially did, with pearls of the obvious and long-revealed. Andrew Exum, an Afghanistan veteran and Center for a New American Security fellow, compared the quasi-revelations about (gasp!) Pakistani intelligence sponsorship of Afghan insurgents and (shock-horror!) Special Operations manhunts to news that the Yankees may have lost the 2004 American League pennant. It’s a fair point, but it conceals what’s really valuable about the leaked logs: they’re a real-time account of how the U.S. let Afghanistan rot.
For one thing — and this supports Exum’s argument — many, if not most, of these documents are frontline reports. They don’t pretend to be about anything more than what a unit encounters in its small patch of the war zone. That both clarifies the focus of individual reports and limits the degree to which any analyst can responsibly extrapolate them into clear trends. “Raw intelligence is rarely decisive,” notes a smart senior military officer who asked for anonymity, “and certainly not indicative of anything meaningful until passed through a more calibrated hypothesis or thesis.”
It’s a helpful caveat. We won’t pretend to have waded through any more than a slice of the 77,000 reports released thus far by WikiLeaks. But so far, there’s no My Lai, no No Gun Ri, no smoking gun linking al-Qaeda to the Boston Red Sox. And some of the heavy-breathing accounts surrounding the documents don’t really match what the logs say. “Taliban sympathisers listening in to top-secret phone calls of US-led coalition,” pants the Guardian. But: “At this time, it is doubtful insurgents have the technical ability to eavesdrop on conversations,” according to the report that the Guardian cites to justify its headline.
In gewisser Weise gibt es jedoch schockierende Neuigkeiten rund um die WikiLeaks-Dokumente:
Der Hype zeigt uns auf schockierende Weise, wie uninformiert die Bevölkerung ist. Wer sich von diesen “Neuigkeiten” beeindrucken lässt, hat vorher nicht viel (bzw. praktisch 0) gewusst. Sie zeigen uns auch ein weit verbreitetes Unverständnis bzw. massive Inkompetenz vermeintlicher Experten, Politiker sowie einiger Jouranlisten für die Zusammenhänge und führen uns die Sensationslust Einzelner vor. Auch wenn nämlich einige schwere Einsatzfehler in den Dokumenten beschrieben sein mögen, muss leider jeder in einem Krieg mit solchen Dingen rechnen. Ferner sind die Probleme und die angewandten Strategien, Taktiken und Mittel schon vielfach kommuniziert worden.
Nicht die “neuen” Informationen sind der Skandal! Der Skandal besteht in der Reaktion von all jenen, die es schon vorher hätten besser wissen und sagen müssen – und jetzt überrascht tun, um aus Selbstverständlichkeiten und altem Wein in neuen Schläuchen eigenes Kapital zu schlagen!
[Ein Kommentar von Michael Weis]
Weitere gute Kommentare zum Thema finden Sie auch im Weblog-Sicherheitspolitik.











Dienstag, 27. Juli 2010 um 10:42
Vieles mag nicht neu sein, aber es ist Quellenmaterial für einen wissenschaftlichen Umgang mit dem Thema…
Dienstag, 27. Juli 2010 um 11:38
“In Afghanistan nicht Neues!” – Autsch!
Dienstag, 27. Juli 2010 um 13:20
”Viel Wirbel um nichts Neues” – Wie wahr! Wie intensiv sich die “Experten” des Spiegel mit dem Thema befasst haben, zeigt die aktuelle Print-Ausgabe: Bereits am 14. Juni wurde ein neues Regional Command South West in Dienst gestellt, die G…rafik des Spiegel zeigt über einen Monat später immer noch die alte Aufteilung (und das ist nur das, was mir auf den ersten Blick aufgefallen ist).
In der heutigen Ausgabe der Badischen Zeitung strotzte ein Überblick über die Dokumente nur so vor Übersetzungsfehlern. Aus einer “Task Force” wurde eine “Einsatzgruppe” (super Analogie zu den SD-Einsatzgruppen im 2. Weltkrieg), ein Zug der afghanischen Armee wurde von mehreren Embeded Training Teams begleitet etc.