Jetzt reagiert die Bundeswehr, wenn auch verspätet, auf die Erkenntnis im Zuge der Transformation des Heeres leichtfertig auf eine wichtige Teilfähigkeit nahezu vollständig entsagt zu haben. Gemeint ist die Auflösung zahlreicher Jägerverbände der Bundeswehr. Einer Heeresreform sei Dank wurde neben Kräften der Gebirgsjäger und Fallschirmjäger auf die Jägertruppe vollständig verzichtet. Jedoch zeigten die Einsätze in ehemaligen Jugoslawien und insbesondere in Afghanistan wie wichtig der spezialisierte Kämpfer am Boden ist. Bereits die Erkenntnisse der Amerikaner im Irak haben die hohe Wertigkeit solcher Kräfte bewiesen und trotzdem hielt die politische und militärische Führung an der Transformation fest.
Der Aufbau der Einheiten des Jägerregiment 1 in Schwarzenborn und Hammelburg, der Jägerbataillone 291/292 im französischen Illkirch-Graffenstaden und in Donaueschingen sowie des Wachbataillons des BMVg in Berlin und Siegburg sind teilweise als Reflex darauf zu verstehen.
Insbesondere mit der Aufstellung des Verbandes in Illkirch-Graffenstaden im Zuge der einmaligen und ihrer strategischen Bedeutung teilweise zu gering geschätzen deutsch-französischen Kooperation wird folgerichtig und konsequent gehandelt. Bei den derzeitigen Herausforderungen weltweit und in der Zukunft der einzig richtige Weg um robust und stabilisierend Wirken zu können und hoffentlich nicht der letzte Verband, der mit solch relevanten Fähigkeiten ausgestattet aufgestellt wird.
Informationen der Bundeswehr zum Thema
[Ein Kommentar von Berthold Theus]











Sonntag, 9. Mai 2010 um 13:57
Sehr geehrter Herr Theus,
folgende Argumente sprechen gegen Ihren Vorschlag, die leichte Infanterie der Bundeswehr aufzustocken:
Der Einsatz leichter Infanterie ist angesichts moderner Waffenwirkung häufig mit hohen Ausfällen verknüpft. Westliche Gesellschaften „ertragen“ Ausfälle aber nur in geringem Umfang. Höhere Ausfälle erhalten daher sehr schnell politisch-strategische Bedeutung und gefährden dann die politische Durchhaltefähigkeit bei Auslandseinsätzen.
Leichte Infanterie benötigt Schutz. Der gegenwärtige Ruf nach geschützten Fahrzeugen verdeutlicht das Problem. Die Fahrzeuge bieten Schutz aber nur während des Transportes. Zum Kampf sitzen die Infanteristen ab und sind dann wieder „schutzlos“.
Leichte Infanterie verfügt nur über eine verhältnismäßig geringe Durchsetzungsfähigkeit. Ihre Feuerkraft entwickeln Infanteristen nur aus den mitgeführten Handfeuerwaffen mit einem Munitionsvorrat, der sehr begrenzt ist. Das schränkt auch ihre Durchhaltefähigkeit ein. Dadurch geraten sie oft in Lagen, aus denen sie sich nicht mit eigener Kraft befreien können, wie jetzt häufig in Afghanistan zu beobachten.
Insgesamt sind sie eher für Spezialaufgaben geeignet oder in der Defensive, dann aber eingebettet in einen Waffenverbund. Was wir in Afghanistan dringend benötigen, ist ein ausgewogener Mix aus Truppengattungen. Erst dieser Truppengattungsmix erlaubt den Kommandeuren lagerechte Entscheidungen und Maßnahmen.
Montag, 10. Mai 2010 um 22:00
Sehr geehrter Politikverdruss,
da ist Ihnen ein guter, sachkundiger und treffender Kommentar gelungen.
Der neue Inspekteur des Heeres fordert 6 zusätzliche Bataillone Infanterie, und das gut und richtig mit Durchhaltefähigkeit im Einsatz begründet. Er hat die Unausgewogenheit der Heeresstruktur im Hinblick auf Einsätze erkannt. Endlich meldet sich einer aktiv zu Wort.
Leichte Infanterie ist in Krisengebieten schnell einsetzbar, und ist, wenn entsprechend ausgebildet, den Anforderungen asymmetrischer Kriegführung gut gewachsen. Zum Schutz bei Bewegungen braucht leichte Infanterie geschützte und gepanzerte Fahrzeuge, die sind meist ausreichend. Am geeignetsten ist spezialisierte leichte Infanterie wie Fallschirmjäger, die nicht ohne Grund die Hauptlast der Gefechte in Afghanistan tragen, das bringt zwangsläufig auch Verluste mit sich.
Der Hinweis auf den Truppengattungsmix ist richtig, denn es geht um Flexibilität beim Agieren, nicht um Erdulden beim Reagieren.