NH90 nicht für Soldaten geignet

Veröffentlicht am Dienstag, 23. Februar 2010 von Torsten Rissmann

NH90 nicht für Soldaten geignet

Die Bild-Zeitung zitiert heute aus einem Untersuchungsbericht der Bundeswehr zum neuen Hubschrauber NH90. Die Bundeswehr hat 122 Stück dieses Hubschraubertyps bestellt – für insgesamt 4,6 Milliarden Euro. Doch nun scheint dieser “modernste Helikopter der Welt” völlig ungeeignet für die Bundeswehr zu sein. So kann er zum Beispiel nur auf geradem und festen Untergrund landen, ist zu schwach Soldaten mit Ausrüstung und Bewaffnung. Es ist unglaublich: Nach dem Desaster mit dem A400M scheint sich eine neue Beschaffungspanne bei der Bundeswehr abzuzeichnen.

Wegen der geringen Bodenfreiheit des Hubschraubers können Soldaten nur ein- und aussteigen, wenn der NH90 auf einem befestigten Untergrund steht und keine Hindernisse vorhanden sind, die höher als 16 cm sind.

Weil die Heckrampe ist zu schwach konstruiert ist, können sie Soldaten mit Ausrüstung nicht zum Ein- und Aussteigen nutzen.

Der Boden im Innenraum ist so druckempfindlich, dass er nicht “infanterietauglich” ist – schmutzige Kampfstiefel würden ihn beschädigen. Ein gleichzeitiger Transport von Personal und Lasten-Paletten ist nicht möglich.

Die Sitze für die Soldaten sind unbequem, unsicher und zu schwach: Soldaten, die mit ihrer Ausrüstung am Körper mehr als 110 Kilo wiegen, dürfen nicht mitfliegen. Ungünstig, denn alleine die „Infanterist der Zukunft”-Ausstattung wiegt 25 Kilo.

Der Platz ist so knapp, dass eine Infanteriegruppe mit Gerpäck für 24 Stunden nur hineinpasst, wenn Sturmgewehre, Panzerfäuste und Gepäck ohne Sicherung auf den Boden gelegt werden.

Die Anbringung eines Maschinengewehrs für den Bordschützen („Doorgunner”) ist aus Platzgründen “unzweckmäßig”. Wenn der Hubschrauber in einer Kampfzone landet, muss er von anderen Kräften gesichert werden.

Weil es keine geeigneten Gurte zum Verzurren gibt, ist das das Mitführen schwerer Waffen (Milan-Raketen, Granat-Maschinenwaffe, Stinger-Raketen) nicht möglich.

Für “spezielle Einsatzverfahren”, wie sie das KSK anwendet, “Fast Rope” (abseilen) wurde der HN90 nicht zugelassen – seine Möglichkeiten (nur eine Winde, und die zu schwach für mehrere Soldaten unmittelbar nacheinander) sind nicht ausreichend. Auch das Absetzen von Fallschirmspringern mit automatischer Auslösung ist derzeit „grundsätzlich ausgeschlossen”.

(Quelle)



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Autor: Torsten Rissmann Dieser Artikel wurde am 23.Februar 2010 von Torsten Rissmann veröffentlicht. Dipl.-Pol. Torsten Rissmann ist stellvertretender Vorsitzender des LFA II und Vorsitzender des FDP-Verbandsgemeindeverbandes Pellenz, Mitglied im Kreisvorstand der FDP Mayen-Koblenz und im Vorstand der Vereinigung liberaler Kommunalpolitiker Rheinland-Pfalz. Torsten Rissmann schreibt auch für das "Liberale Institut" der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit sowie die Internet- und Blogzeitung FreieWelt.net zu außen- und sicherheitspolitischen Themen.




5 Kommentare dieses Beitrags

  1. Politikverdruss schreibt:

    GG 87b (1): “Die Bundeswehrverwaltung…dient der unmittelbaren Deckung des Sachbedarfs der Streitkräfte.” Die Rüstungsbeschaffung in den Händen der Bundeswehrverwaltung ist verknüpft mit einer Reihe von Rüstungsskandalen. Es wird Zeit, die Zweiteilung der Bundeswehr aufzugeben und zu einer effizienten Gesamtstruktur zu gelangen.

  2. Eric schreibt:

    Zu dieser Kritik muss ich mich etwas wundern. Ich kenne die Maschine ja nicht in allen Details, aber was bitte schön hat “FAST ROPING” mit einer Seilwinde zu tun? Das sind zwei Ropes bis ca. 10m Höhe, eine Winde braucht man dafür nicht. Nachdem Absetzen werden die dicken Taue gekappt.

    Raketen waren für dieses System soweit ich weiß nie vorgesehen. Lasten (Paletten etc.) werden mit einem anderen Heli bewegt.

  3. AllesKommunisten schreibt:

    Das ist das sinnvollste was ich heute gehört habe.

    Zyniker könnten sagen die Wehrverwaltung zersetzt die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr. Wären wir noch im Kalten Krieg könnte man sich fragen, ob wir vom KGB unterwandert wurden.

    Nächster Vorschlag: Die Bundeswehr braucht einen Generalstab. Anstelle der vielzahl an Stäben die sich gegenseitig die Kompetenzen streitig machen, sollte man sich ernsthaft Gedanken machen, ob die Führung der Armee nicht in einer Hand besser aufgehoben ist.

  4. califax schreibt:

    Wofür genau ist der Helikopter denn im Heeresbereich noch zugelassen?
    Für die Öffentlichkeitsarbeit?

  5. Manuel Weber schreibt:

    Zu den Problemen mit dem NH90 Hubschrauber gibt es ein interessantes Interview mit den Leuten von Eurocopter. Ich denke das viele der genannten Mängel beseitigt werden könnten, jedoch nicht von jetzt auf gleich. Und ehrlich gesagt ist die Bild Zeitung und ihre “verlässliche Quelle” eher an ein Paar Sensations-Meldungen interessiert als an eine wirkliche Außeinandersetzung mit dem Thema.

    Link zu dem Interview:

    http://www.defpro.com/news/details/14183

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