Quo vadis Bundeswehr?

Veröffentlicht am Montag, 15. Februar 2010 von Torsten Rissmann

Quo vadis Bundeswehr?

Anfang April wird erstmals die Strukturkommission zusammentreten. Sie soll bis Ende des Jahres Vorschläge für die Neuausrichtung der Bundeswehr machen. Die Zusammensetzung der Kommission sowie die Namen der Mitglieder werden zur Zeit noch geheim gehalten – wohl, um die Personen nicht schon vor Beginn der Arbeit in das Rampenlicht der Öffentlichkeit zu zerren. Das ist verständlich. Jedoch bleibt zu hoffen, dass mit Aufnahme der Arbeit dieser Kommission endlich ein breite öffentliche Debatte über Auftrag und Struktur der Bundeswehr beginnt und nicht wieder “im stillen Kämmerlein” einsame Entscheidungen getroffen werden. Der Landesfachausschuss “Außen- & Sicherheitspolitik” möchte einen Betrag dazu leisten und dem “freundlichen Desinteresse” an der Bundeswehr und ihren Einsätzen entgegentreten.

Alles gehört auf den Prüfstand. Es darf keine “heiligen Kühe” geben

Die bisherige Praxis, die Struktur der Bundeswehr von oben nach unten zu planen, muss beendet werden. Das heißt, es muss damit Schluss sein, zunächst die Führungspositionen festzulegen, um sie dann nachträglich mit dem entsprechenden Unterbau zu begründen (”Wie viele B3-Dienstposten braucht man, um einen B6-Dienstposten zu begründen?”). Gerade diese bisherige Praxis hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass die Bundeswehr immer kopflastiger wurde. Bei einer Gesamtpersonalstärke von ca. 240.000 Soldaten ist die Bundeswehr mit ca. 8.000 Soldaten, die ständig im Einsatz sind, überfordert. Das ist niemandem zu vermitteln!

Kommando- und Ämterstruktur

In diesem Zusammenhang ist die gesamte Kommando- und Ämterstruktur der Bundeswehr zu überprüfen. Gerade die Führungskommandos der Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche stehen hier im Fokus. Die Einsätze der Bundeswehr werden vom Einsatzführungskommando in Potsdam geführt. Für die Ausbildung und Vorbereitung auf die Einsätze sind die jeweiligen Führungskommandos der Teilstreitkräfte verantwortlich. Warum nicht Führung aus einer Hand?
Ebenso sieht es auf der Ämterebene aus. Braucht jede Teilstreitkraft / jeder Organisationsbereich wirklich ein eigenes Amt? Oder kann man die Ämter zusammenlegen – wie im Bereich der Personalführung bereits erfolgreich praktiziert (Zusammenlegung der Stammdienststellen von Heer, Luftwaffe und Marine zur Stammdienststelle der Bundeswehr).

Sanitätsdienst

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr als eigener Organisationsbereich hat sich nicht bewährt und muss abgeschafft werden. Die derzeitige Struktur hat dazu geführt, dass zu viele Ärzte der Bundeswehr in Ämtern und Führungskommandos dieses Organisationsbereichs eingesetzt sind und der Bundeswehr für die sanitätsdienstliche Versorgung fehlen (sowohl am Heimatstandort als auch für die Einsätze).

Wehrpflicht

Auch wenn die Frage des Wehrdienstes mit dem Koalitionsvertrag zunächst geklärt scheint, sollte dieses Thema bei den Strukturplanungen eine Rolle spielen. Sechs Monate Wehrpflicht erscheinen eher als ein fauler Kompromiss der Koalitionsverhandlungen als eine Folge militärischer Notwendigkeit. Auch diese “heilige Kuh” muss nüchtern und ohne ideologische Schranken diskutiert werden.

Standorte

Standortfragen gehören ganz an das Ende der Strukturplanung. Auch wenn des den Politikern vor Ort schwer fallen wird, kommunale Interessen dürfen bei der Neuausrichtung keine Rolle spielen. Die Standorte der Bundeswehr sind eine logische Konsequenz aus einer schlanken Struktur und Ausrichtung auf den Einsatz. Die Bataillone von Brigaden sollten nicht über hunderte von Kilometern quer durch die Republik verteilt sein. Darüber hinaus sollte auch in Hinblick auf die Attraktivität der Bundeswehr über Großstandorte nachgedacht werden. Das reduziert die Versetzungshäufigkeit der Soldaten und ermöglicht eine bessere Integration und Betreuung der Familienangehörigen wenn der Soldat im Einsatz ist.

Dies sind nur einige grundsätzliche Überlegungen zur Struktur der Bundeswehr. Es gibt sicherlich noch viele weitere Aspekte zur Neuausplanung, die es zu beachten gilt. Daher ist eine breite öffentliche Diskussion dringend notwendig, an der sich nicht nur Politiker beteiligen sollten, sondern auch die Bevölkerung – die “Staatsbürger in Uniform” ausdrücklich eingeschlossen!

Wir freuen uns auf eine rege Diskussion!

Ähnliche Artikel

  • 1. September 2010 -- Neue Führungsstrukturen nach deutschen Interessen?
    Unter dem Titel "Modellrechnungen auf Führungsebene" sendete der Deutschlandfunk einen interessanten "Hintergrund". Darin beschäftigt sich Rolf Clement (der z.B. auch für die Europäische Sicherheit schreibt) kritisch mit den unterschiedlichen Reformmodellen des BMVg und betrachtet besonders mögliche...
  • 25. August 2010 -- van Essen: ‘Nicht um jeden Preis sparen’
    Der parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Jörg van Essen (Oberst d.R.), erklärte im Deutlandradio Kultur das Konzept der FDP für die Bundeswehr. Er warnte in diesem Zusammenhang davor, bei der Bundeswehr um jeden Preis zu sparen. Wichtig sei, dass nicht dort gespart werde, wo es das Leben der So...
  • 31. August 2010 -- Quo vadis Bundeswehr
    Der ZDF Infokanal berichtet in der folgenden Dokumentation über die mögliche Zukunft der Bundeswehr. Auch wir haben bereits vor einiger Zeit Vorschläge und Gedanken zu dem Thema veröffentlicht. HIER können Sie diese nachlesen und darüber diskutieren. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen zum Thema. Die...
Autor: Torsten Rissmann Dieser Artikel wurde am 15.Februar 2010 von Torsten Rissmann veröffentlicht. Dipl.-Pol. Torsten Rissmann ist stellvertretender Vorsitzender des LFA II und Vorsitzender des FDP-Verbandsgemeindeverbandes Pellenz, Mitglied im Kreisvorstand der FDP Mayen-Koblenz und im Vorstand der Vereinigung liberaler Kommunalpolitiker Rheinland-Pfalz. Torsten Rissmann schreibt auch für das "Liberale Institut" der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit sowie die Internet- und Blogzeitung FreieWelt.net zu außen- und sicherheitspolitischen Themen.




13 Kommentare dieses Beitrags

  1. Michael Weis schreibt:

    Wir müssen die Diskussion ohne Vorbehalte und rational führen. Dabei darf der Fokus für die Strukturreform nicht auf den derzeitigen Einsätzen liegen. Die neue Struktur muss sich stattdessen an generellen Zielvorgaben orientieren, die sich im Zuge der Generierung klarer außen- und sicherheitspolitischen Interessen der Bundesrepublik ergeben.
    Der LFA möchte im Zuge der notwendigen Diskussion aktiv mitarbeiten und gewinnbringende Anregungen einbringen.

    Wir würden uns über Kommentare und Anregungen für die Diskussion von Seiten unserer Leser sehr freuen.

  2. Hannes schreibt:

    Die Bundeswehr ist über hunderte kleinster Kasernen über dass gesamte Bundesgebiete verteilt. Nur Kasernen über 1.000 Soldaten können die passende Infrastruktur effizient betreiben, um qualifzierten Nachwuchs anzuwerben.
    Schwimmbäder, Übungsgelände, Sportanlagen, Schiessstände, Freizeiteinrichtungen,
    Kleine Standorte sollten aufgegeben werden, ausser sie befinden sich in unmittelbarer Nähe von Grossen.
    Die Wehrpflicht gehört ersatzlos abgeschafft, als liberaler Mensch bin ich gegen jede Form von Zwangsdiensten.

  3. Jürgen Ruwe schreibt:

    Einige der hier geäußerten Gedanken zu einer neuen Struktur sind sicher richtig. Auch die Forderung nach Konzentrierung der Kommando- und Ämterstruktur erscheint auf den ersten Blick plausibel. Ich gebe aber zu bedenken: Die Aufgaben der Bundeswehr sind nicht einfacher, sondern komplexer geworden. Ob Zentralisierung – denn darauf läuft der Vorschlag hinaus – geeignet ist, den Herausforderungen der Einsätze gerecht zu werden, möchte ich eher bezweifeln. Besonders gut sind die bisherigen Erfahrungen mit dem Versuch, Bodeneinsätze durch Luftwaffen- oder Marineoffiziere führen zu lassen (s. Kongo-Einsatz), bisher nicht gewesen. Und umgekehrt ist ohnehin noch niemand auf die Idee gekommen, Luft- oder Seeoperationen durch Heeresoffiziere führen zu lassen. Auch hier gilt: Schuster bleib bei deinen Leisten. Man sollte vielleicht auch daran erinnern: Arbeitsteilung ist eine kulturelle Errungenschaft.
    Ich empfehle daher, die aus meiner Sicht überzogene Zentralisierung eher zurückzudrehen. Wenn Aufgaben für mehrere Teilstreitkräfte wahrzunehmen sind, hat die Bundeswehr in der Vergangenheit gute Erfahrungen damit gemacht, den Hauptträger der jeweiligen Aufgabe mit der Wahrnehmung in „Pilotfunktion“ zu beauftragen. Dass man an die Kommandostrukturen herangehen muss, steht allerdings außer Frage; denn es ist dem ehemaligen Generalinspekteur gelungen, eine Situation zu erzeugen, von der er selbst sagte, es gebe „so viele Zuständigkeiten, dass sich keiner mehr zuständig fühle“.

  4. Politikverdruss schreibt:

    Die grundgesetzlich festgelegte Trennung von Streitkräften (GG87a) und Wehrverwaltung (87b) erscheint mir inzwischen völlig überflüssig. Die Bundeswehr braucht eine Wehrverwaltung, die in die Streitkräfte integriert ist, um auf die wechselnden Erfordernisse einer Einsatzarmee schnell und effizient reagieren zu können.

    Innerhalb der Streikräfte sollte der Generalinspekteur im Auftrag des IbuK Weisungsbefugnis gegenüber allen nachgeordneten Bereichen erhalten. dazu gehört die Weisungsbefugnis gegenüber
    -den Abteilungsleitern Wehrverwaltung und Recht,
    -dem Hauptabteilungsleiter Rüstung,
    -den Abteilungsleitern Haushalt und Modernisierung,
    -dem Einsatzführungsstab und
    -den Teilstreitkräften.

    Die Aufteilung in vier Teilstreitkräfte sollte auf den Prüfstand gestellt werden. Insbesondere die neugeschaffene Streitkräftebasis. Hier sollte eine Rückführung in die Teilstreitkräfte mit dem Ziel geprüft werden, die Zahl der Einsatztruppenteile zu erhöhen.

    Insgesamt hat sich die sicherheitspolitische Lage seit Aufstellung der zweigeteilten Bundeswehr grundlegend gewandelt. Die Zusammmenführung dieser Teile wäre eine angemessene Antwort auf zukünftige Einsatzerfordernisse und geringere finanzielle Spielräume.

  5. Björn Steffen schreibt:

    Die Rückführung des Wasserkopfes ZSan in die TSK z.B. ist in der Tat unerläßlich! An Beispiel der in See gehenden Einheiten der Marine und der DSO, die beide noch eigene SanKräfte besitzen, erkennt man wie groß der Effizienzgewinn von truppennahen Sanitätskräften ist!

    Die Abschaffung der SKB sollte gleich folgen! Mit der Schaffung dieses bürokratischen, zentralistischen, truppenfernen “Mollochs” wurden lediglich weitere Hindernisse für eine erfolgreiche Ausbildung und Führung im Einsatz gelegt. Nichts hat die Einsatzkräfte in den letzten Jahren vermutlich so eingeschränkt wie die ständigen Auflagen von praxisfernen “Verwaltern”/Bürokraten in der SKB.

    Hinsichtlich der Ämterstrukturen ist meiner Meinung nach eine weitere Zentralisierung unbedingt zu vermeiden! Die Zusammenlegung der der Stammdienstellen ist ein gutes Beispiel: Mit der Zusammenlegung hat es für die Truppe KEINERLEI Vorteile gegeben, die Bearbeitungszeit für Anträge allerdings ist um mehrere Monate nach oben gewandert. Warum? Ganz einfach: Je höher und ferner eine Struktur von der Ebene ist über die sie Entscheidungen zu treffen hat, desto bürokratischer und schlechter werden diese Entscheidungen.

    Ebenso erlaube ich mir hinsichtlich der Schwächung der TSK zugunsten des EinsFüKdo zu sprechen! Anhand zahlreicher mißratener Entscheidungen (siehe nur ein LwGeneral in KDZ und ein Admiral im Kongo) konnte man bereits bisher erkennen, daß daß Prinzip der Spezialisierung in Fachfragen durchaus auch in einer heutigen Armee noch angemessen ist.

    Meines Erachtens nach, sollte man BEIDES gleichzeitig machen: 1. Sollte man die Zentralebene mit dem GenInsp stärken (gleichberechtigte Stellung neben EINEM beamteten Staatssekretär INNERHALB der Ministeriums “Leitung, mit unterstellten EinsFüKdo und “Generalstab”) UND Stärkung der DREI (sic!) TSK (mit Berücksichtigung der eigenen, den Soldaten immens wichtigen Traditionen, des jeweiligen Fachwissens und der Praxiserfahrung).

    Alle querschnittlichen bis zu einer recht hohen Ebene sollten an eine der TSK gehen (mit Unterstützungs-/Pilotauftrag für die anderen), warum z.B. Hubschrauber gleichzeitig in Heer/Luftwaffe/Marine fliegen müssen mit jeweils eigenen Ausbildungen und Ausrüstungen ist nicht immer sinnvoll. Gleiches gilt für die Flugabwehr (gleichzeitig Heer/Lw). Das die Feldjäger schon immer Teil des Heeres waren, damit hatte sich Lw und Marine ja früher auch schon abgefunden etc. etc. etc.

    Lediglich einige wenige wirklich zentral zu steuernde Aufgaben sollten von “zentralen Dienststellen” wargenommen werden, alles andere sollte möglichst dezentral geführt werden.

    Einziges “Problem” an allen meinen Vorschlägen: Hierfür müßte man MASSIV StFw und Oberstlt im Alterbereich 40-60 entlassen. Denn durch die Auflösung der ganzen riesigen SKB-Wasserköpfe würden tausende Dienstposten frei, die aber mangels truppentauglichkeit noch nicht einmal auf den Divisionsebenen zu verwenden wären.

    Aber auch dieses “Problem” könnte man ja lösen: Durch ein schönes, kräftiges und attraktives PSG. Inkl. der zukünftigen Einführung des BO40 für alle Truppenoffiziere und Feldwebel…

  6. Hans-Heinrich Dieter schreibt:

    Es ist richtig, dass alles ohne Tabus auf den Prüfstand muss. Die grundsätzlichen Überlegungen von Herrn Rissmann gehen da in die richtige Richtung. Bevor aber Struktur-Details diskutiert werden können, muss zunächst einmal entschieden werden, welche Aufgaben die Bundeswehr in den nächsten 10/20 Jahren bewältigen können muss. Dazu müssen die konzeptionellen Vorstellungen aktualisiert und fortgeschrieben werden. Es muss außerdem entschieden sein, wie die 6-monatige Wehrpflicht realisiert werden soll. Es müssen darüber hinaus auch Fragen beantwortet sein, wie man sich z.B. die zukünftige “Aufgabenteilung” auf europäischer Ebene und im Rahmen der NATO vorstellt und wie sich deswegen die Abgrenzung der Aufgaben der Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche der Bundeswehr am günstigsten gestaltet. Nur auf der Grundlage gemeinsamer und stabiler konzeptioneller Vorstellungen sind Strukturdiskussionen sinnvoll.
    Grundsätzlich wichtig ist aus meiner Sicht, dass die strukturellen Rahmenbedingungen für die streitkräftegemeinsame Aufgabenwahrnehmung verbessert und die strukturellen Voraussetzungen für die Überwindung der Teilstreitkraftegoismen geschaffen werden. Das wird am ehesten und besten durch zentralisierte Führung und Verantwortung aus einer Hand zu gewährleisten sein.

  7. Björn Steffen schreibt:

    @General Dieter
    “Grundsätzlich wichtig ist aus meiner Sicht, dass die strukturellen Rahmenbedingungen für die streitkräftegemeinsame Aufgabenwahrnehmung verbessert und die strukturellen Voraussetzungen für die Überwindung der Teilstreitkraftegoismen geschaffen werden. Das wird am ehesten und besten durch zentralisierte Führung und Verantwortung aus einer Hand zu gewährleisten sein.”

    Ein bedenkenswerter Aspekt. Die diffuse Organisationstruktur des BMVg nach Blankeneser und auch nach Berliner Erlaß ist in der Tat kritisch zu betrachten.

    Ob die Politik nach dem starken GenInsp Schneiderhahn und vor dem Lichte der aktuellen Diskussionum KDZ allerdings wirklich bereit sein wird echte Schritte hinsichtlich der Führung aus einer (militärischen) Hand zuzulassen sei dahin gestellt ;)

    Außerdem bezweilfe ich, daß Führung und Verantwortung aus einer Hand beim GI zu Lasten der TSK gehen muß.

    Meines Erachtens nach müßte die Stärkung des GI zu Lasten des BMVg und hier insbesondere der zivilen Abteilungen gehen.

    Wie ich bereits in meinem letzten Beitrag anregte, ist aus meiner Sicht eine Stärkung des GI bei GLEICHZEITIGER Stärkung der Binnenmacht der TSK vorzuziehen.

    Wenn den Infanteristen z.B. fachliche Vorschriften von “zuständigen” Luftwaffenoffizieren im SKUKdo oder im EinsFüKdo gemacht werden können, dann kann das doch nur zu Fehlentscheidungen kommen (und ist es bereits mit verhängnisvollen Konsequenzen im Einsatz).

    Als gutes Gegenbeispiel erscheint mir hier immer der “große Bruder” jenseits des Atlantiks.

    Taktisch sind die CINC (unabhängig von ihrer jeweiligen TSK!) dem Präsidenten verantwortlich. Politisch ist der Chairmann unglaublich mächtig und ein ECHTER Berater der politischen Leitung. Und TSK intern pfuscht der Army niemand in Nachwuchsgewinnung und Ausbildung und Taktik hinein.

    Könnte das nicht ein Vorbild für uns sein?

    Hinsichtlich Ihrer Forderung nach einer sauberen Aufgabenanalyse mit einem Horziont von 10-20Jahren erlaube ich mir allerdings kurz zu lachen.

    RECHT haben Sie natürlich!

    BEKOMMEN werden wir eine solche in Deutschland allerdings in den nächsten Jahren NIEMALS!

    Wir sind das einzige Land das nicht in der Lage ist seine strategischen Interessen zu definieren und das Weißbuch ist nur ein schwacher Abklatsch echter Sicherheitsstrategien…

  8. Hans-Heinrich Dieter schreibt:

    @ Björn Steffen
    Danke für Ihren Diskussionsbeitrag. Einige Anmerkungen dazu:
    Schneiderhan war nicht stark sondern schwach und erfolglos. Er hat die heutige Struktur zu verantworten, die jetzt zum Zeitpunkt des Abschlusses der Einnahme so dringend auf den Prüfstand muss, weil sie nach Auffassung der Koalition weder für den Friedensdienst noch für die Bewältigung der Einsätze tauglich ist. Schneiderhan hat außerdem ein Großteil an Schuld bezüglich der Schönfärberei des Afghanistaneinsatzes und der unzureichenden Mandatierung und Ausstattung unserer Soldaten im Einsatz. Man könnte auch sagen: hier erfüllt sich der Tatbestand unzureichender Fürsorge des für Einsätze der Bundeswehr zuständig gewesenen Offiziers für die Truppe im Einsatz. Verteidigungsminister zu Guttenberg hat offensichtlich ein gutes Gespür für unzureichende Mitarbeiter.
    Es gilt heute ausschließlich der Berliner Erlass. Der gibt dem GenInsp bisher ungekannte Kompetenzen. Schneiderhan war zu schwach, die gegenüber den TSK durchzusetzen.
    Militärische Führungsverantwortung aus einer Hand muss zwangsläufig zu Lasten der TSK gehen. Die Insp der TSK haben keine Verantwortung für Einsätze, als Verantwortliche auschließlich für Bereitstellung von einsatzbereiter Truppe könnten sie auch Unterabteilungsleiter im Führungsstab der Streitkräfte sein. Die TSK-typische Detailarbeit macht ohnehin das TSK-Amt, das zusätzlich aufgabenorientiert personell reduziert werden kann.
    Die zivilen Abteilungen können deutlich reduziert werden. Dazu bedarf es aber der Entscheidung der Auflösung der Trennung zwischen Streitkräften und Bundeswehrverwaltung.
    Die USA sind für Strukturüberlegungen nicht unbedingt ein Vorbild. Es gibt die Joint Chiefs of Staff, aber die TSK-Chiefs haben sogar ein eigenes Budget mit der Folge sehr teurer Parallelentwicklungen (die Marines können nicht unbedingt mit US-Heerestruppenteilen kommunizieren). Wir haben den militärischen Führungsrat (MFR). Der müsste nur durch einen befehlsbefugten Generalinspekteur genutzt werden wollen und können.
    Wir brauchen jetzt einen Generalinspekteur mit Kompetenz und Einsatzerfahrung, der mutig im Sinne der Bundeswehr beraten will und dann auch als Berater anerkannt (oder auch gefeuert) wird. Es sieht nicht schlecht aus.
    Wir haben kein sicherheitspolitisches Konzept mit formulierten nationalen Sicherheitsinteressen und auch kein formuliertes gesamtstrategisches Konzept, wir haben aber eine Konzeption der Bundeswehr als Grundlage der heutigen Struktur. Wenn diese Konzeption nicht aktualisiert oder fortgeschrieben wird haben wir keine wirkliche Grundlage für seriöse Strukturüberlegungen. Dann bleibt alles Flickschusterei und wird Stückwerk. Das hätten die Soldaten der Bundeswehr nicht verdient. Und wenn es so kommen sollte, wird der Arbeitsplatz Bundeswehr irgendwann so unattraktiv, dass der qualifizierte Nachwuchs noch mehr als bisher ausbleibt.
    Eine solche Entwicklung darf nicht hingenommen werden.

  9. Björn Steffen schreibt:

    @General Dieter
    Hinsichtlich eines einsatzbezogen starken GI stimme ich Ihnen vollkommen zu.

    Aber gerade ein starkes Heer ist ein Pfund wenn man hinsichtlich des Einsatzes wuchern möchte.

    Wenn wir die Autonomie des Heeres aufgeben wird die bereits jetzt beginnende fatale Domminaz der Bürokraten ins SKUKdo und EinsFüKdo noch viel schlimmer werden.

    Mir ist klar, daß eine solch harte Aussage jemanden mit Ihrer Vita schmerzt, aber an der SKB ist NICHTS gutes für das Heer! Jedes mal wenn wieder einmal eine absurde Enscheidung hinsichtlich Mülltrennung, Rechtsfahrgebot, Verbot der Ausbildung im einsatzrealistischen Fahren etc. etc. kommt, dann kommt ein solches Verbot aus der SKB!

    Ich bin mir nicht sicher ob das WIRKLICH in unserem Sinne sein kann, daß wir das alles dadurch noch schlimmer machen indem wir Lw- und Marineoffizieren Einfluß auf Landoperationen und die Ausbildung von LaSK überlassen?!

    Und das Heer stellt nun einmal die Masse der gefährlichen Einsätze! Ich kommandiere doch auch keinen Schiff der Marine nur weil ich deutscher Offizier bin. Warum sollte man es umgedreht dann zulassen?

    Gleiches gilt für die Personalführung. Schwächt man die TSK kommt so ein Unfug wie die neue Offizieranwärterausbildung heraus. Oder die vollkommene Fehlkonstruktion der SDBw. Neulich habe ich sogar gehört, daß es Pläne gibt das das Heer nach dem “guten Vorbild” der Marine die PersFü für Mannschafter an die SDBw abgeben soll.

    Wer kommt auf solche Ideen?????

    Ohja: Der Fü S!

    Wenn wir die TSK entmachten, dann entmachten wir die einzigen die wirklich einsatzbezogen denken und ausbilden!

    Und hinsichtlich der KdB:

    Entschuldigung Sie Herr General, aber die KdB war schon nicht auf der Höhe der Realität als sie verabschiedet wurde. Sie ist sicherlich ein ordentlicher Versuch, aber hält noch nicht einmal annähernd dem Stand was die Briten oder erst Recht die Amerikaner mit der NSS, der NMS und schließlich dem QDR regelmäßig erstellen.

    Und warum? Weil wir in Deutschland von Seiten der Öffentlichkeit so etwas nicht einfordern und weil die Politik zu einer schonungslosen, regelmäßigen Analyse gar nicht den Mut hat.

    Abschließend: Ihr Wunsch nach einer Aufhebung der Trennung von Streitkräften und Wehrverwaltung ist löblich und trifft auch meine Hoffnung.

    ABER: Wir sollten anerkennen, das dies wohl eher eine Utopie ist, denn die hierfür notwendige GG-Änderung ist ja wohl noch nicht einmal annähernd mit der SPD zu machen…

  10. Felix F. Seidler schreibt:

    Ich denke, dass eine Bundeswehrreform notwendig ist. In einer solchen Reform muss die Bundeswehr auf ihre Hauptaufgabe ausgerichtet werden: Internationale “Out-of-Area”-Einsätze, Internationale Friedenseinsätze, Konflik- und Katastrophenbewältigung, usw.

    Aus dieser Aufgabenstellung ergibt sich, dass das Zeitalter der Wehrpflicht in Deutschland entgültig vorbei ist. Im Zeitalter von “Network-Centric-Warfare” und “Laser-Guided-Bombs” besteht auch militärisch keinerlei Notwendigkeit für Massenheere von Wehrpflichtigen. Im Gegenteil: Die Grundwehrdienstleistenden benötigen zu Hause Standorte, einen Ausbildungs- und Kommandopersonalapparat und verschlingen finanzielle Mittel. Daher wäre eine Abschaffung der Wehrpflicht im Sinne der effektiveren Nutzung von Rescourcen durchaus sinnvoll.

    Für den Erhalt der Wehrpflicht werden immer wieder zwei Gründe angeführt. Zum einen die Verankerung der Bundeswehr in der Gesellschaft und zum zweiten die Nachwuchsgewinnung. Wenngleich die Nachwuchsgewinnung für die Armee wichtig ist, kann dies kein hinreichender Grund für eine derartige Grundrechtseinschränkung junger Männer sein. Ein besseres Argument für die Wehrpflicht wäre prinzipiell die Verankerung der Armee in der Gesellschaft. Allerdings sieht man heute, dass die Bundeswehr auch mit Wehrpflicht nicht allzu weit in der Gesellschaft angekommen ist. Soldaten in Uniform, die am Freitag mit dem Zug nach Hause fahren werden im Zug komisch angeguckt. Von vielen Wehrpflichtigen hört weniger Erzählungen vom Dienst in der Armee als vielmehr ausweifende Berichte über Erlebnisse nach Dienstschluss. Und bei ca. 35.000 Wehrdienstleistenden jedes Jahr kann auch von einer Verankerung in der ganzen Gesellschaft nicht mehr ernsthaft die Rede sein.

  11. Ulrich schreibt:

    Zentraler Sanitätsdienst = Wasserkopf und “viele Ärzte in Stabsverwendungen sind offensichtlich so schöne,einfache und einprägsame Aussagen, dass sie ständig wiederholt werden – gleichwohl sind sie falsch!

    Lassen wir mal Zahlen und Fakten sprechen: Ein OrgBer, der Verantwortung in allen Standorten und bei allen Einsätzen trägt und einen höheren Umfang als die Marine hat, wird durch ein Führungskommando geführt, das das kleinste aller Führungskommandos ist und sogar kleiner ist als Kommandostäbe (z.B. DEU/NL-Korps, KdoOpFüEingrKr), die keinerlei Truppe führen.
    Dieser OrgBer hat nicht wie andere Bereiche eine Divisions- und Brigadeebene, sondern lediglich eine (1!) Zwischenebene zwischen dem FüKdo und den SanZ, SanRgt und Krhs. Wo sind da die Wasserköpfe?

    Und dieser OrgBer erfüllt seine komplexen Aufgaben, insbesondere für den Einsatz mit hoher Professionalität und sehr gutem Ergebnis. Und dies ist besonders schwierig, weil hier keine vorbestehenden Truppenteile aus dem Heimatstandort, quasi unverändert in den Einsatz gehen können, sondern weil die Besonderheiten eines jeden Einsatzes eine besondere Struktur, besondere Fähigkeiten verlangen, die nur durch unterschiedlichste Spezialisten dargestellt werden können – und diese Spezialisten müssen nun mal ständig auch in Deutschland in ihrem spezifischen Aufgabenbereich arbeiten. Das bedeutet, dass die Masse der Einsatzkontingente durch ein Einzelpersonalauswahlverfahren zusammengestellt werden muss – und das ist auch in anderen Strukturformen nicht wesentlich veränderbar.

    Auch die Aussage, dass die sanitätsdienstliche Versorgung der DSO-Truppenteile besser sei, ist hier deutlich zu relativieren: Zum einen verfügen diese Teile nur über die Role-1-Versorgungsebene, und damit sind die Verwundeten nur sehr begrenzt zu versorgen; zum anderen hat die DSO einen im Vergleich zu früheren Strukturen des Heeres (vor der Zentralisierung des Sanitätsdienstes)deutlich verstärkten “Truppen”-Sanitätsdienst, während man dem Zentralen Sanitätsdienst bei der Zentralisierung eine 30%-Rendite an Umfängen des bisherigen Truppensanitätsdienstes abgezogen hat. Dennoch wird die Masse der Versorgung der Einsatzkontingente und auch der Unterstützung in Deutschland aus diesem reduzierten Personalpool seit Jahren ohne wesentliche Einschränkungen des Ausbildungs- und Übungsbetriebs sichergestellt. Gleichzeitig hat der Zentrale Sanitätsdienst durch eine beispiellose Qualifikationsoffensive die aus den TSK übernommenen SanTrpFhr (SanUffz u. Rettungssanitäter mit dreimonatiger Ausbildung) innerhalb weniger Jahre komplett zu RettTrpFhr (Fw u. Rettungsassistent mit zweijähriger Ausbildung) im Regelfall mit über zweijähriger Fehlzeit vom Dienstposten ausgebildet. Wo ist also die fehlende Effizienz?

    Das Hauptproblem des Sanitätsdienstes ist die geringe Attraktivität für Ärzte, in der Bundeswehr Dienst zu leisten. Dies rührt her u.a. aus einer Mischung von Vergütungsfragen (im zivilen Bereich wird dem Ärztemangel schlicht mit besseren Angeboten entgegengewirkt) und der Einsatzbelastung. Die derzeit nicht besetzten ca. 600 Dienstposten sind übrigens zu einem hohen Anteil erst in den letzten Jahren in den STAN u.a. als Reaktion auf die Einsatzerfordernisse neu entstanden, sind also nicht unbesetzt wegen “der Masse der in Stäben eingesetzten Ärzte”, sondern schlicht deshalb, weil die Besetzung von hunderten neuen, teils hochqualifizierten Dienstposten schlicht Jahre an Zeit benötigt. Die Anzahl der in Führungsverwendungen eingesetzten Ärzte ist mit deutlich weniger als 2,5% sogar geringer als im zivilen Bereich. Wer glaubt oder behauptet, dass er z.B. mit den ca. 20 im Führungskommando eingesetzten Ärzten (inkl. Befehlshaber)die Lücken auf Truppenarzt- oder Facharzt-DP schließen könne, argumentiert schlicht nicht seriös und verkennt die Tatsache, dass der deutsche Sanitätsdienst unter dieser Führungsorganisation und mit dem Prinzip “Ärzte führen Ärzte” zu einem der besten Sanitätsdienste der Welt geworden ist. Dass es auch anders geht – mit entsprechend teils desaströsen Folgen für die Attraktivität und die Qualität des Sanitätsdienstes- zeigen uns Entwicklungen anderer Staaten sehr anschaulich.

  12. Björn Steffen schreibt:

    @Ulrich
    1. zur Frage der Führungsstrukturen:
    Natürlich sind die Führungsstrukturen des ZSan die kleinsten, immerhin hat der ZSan ja auch keine Aufgabe außer der sanitätsdienstlichen Fachaufgabe.

    D.h. Alles was sich um Logistik und Ausbildung dreht könnte (und wurde ja auch über 100 Jahre bereits erfolgreich VOR der “Reform”) innerhalb des normalen Truppenstrangs laufen.

    Also ist hier nicht die Frage wie groß diese SanKdo/SanFüKdo sind, sondern ob sie überhaupt eine Existenzberechtigung haben. (Nebenbei: soso 20 Ärzt im FüKdo??? Wo sind denn hier die serösen Zahlen?! Dazu müssen wir die Ärzte in den VIER SanKdo zählen UND die Ärzte in den SanZ die in sogenannten Führungsfunktionen gebunden sind, da dürften wohl eher ETWAS mehr als 20 rauskommen, oder?!)

    2. Sanitätsdienst der DSO
    Das mit der Role 1 ist ja ein drolliger Trick, denn das liegt ja ausschließlich am Veto des ZSan. WIR könnten auch mit Role 2 oder 2- leben!

    Und die angeblich verstärkten truppensanitätsdienstlichen Strukturen sind nicht vorhanden!

    Vor der “Reform” hatten wir zwei LLSanKp, jetzt haben wir zwei SanKp. Vor der “Reform” hatten wir sechs SanZg, jetzt haben wir vier SanZg und ein SanZ.

    3. Ärzte führen Ärzte und “ein der besten Sanitätsdienste der Welt”
    DAS ist ja wohl ein Scherz! Dieser Meinung ist ausschließlich der deutsche Sanitätsdienst!

    Jede andere Armee WEISS, daß nur Truppe Truppe führen kann, aber wir Deutschen wissen es ja SOVIEL besser und habe damit in AFG ja SOVIEL Erfolg :-(

    4. Spezialisten
    Natürlich müssen Spezialisten “maßgeschneidert” für jeden Einsatz zusammengestellt werden. Aber das gleiche gilt hier genauso wie bei allen anderen Spezialisten (Pioniere, MilNW, Inst) die Truppe die die Einsätze im Kern (und damit meine ich nicht quantitativ, sondern qualitativ) stellt, muß die Federführung haben. Eine Struktur darauf auszurichten, daß die Unterstützer das Sagen haben ist nur in Deutschland vorhanden und noch nicht einmal bei uns ein Erfolg…

  13. Torsten Rissmann schreibt:

    Die FDP-Bundestagsfraktion hat ein Diskussionspapier zur Zukunft der Bundeswehr veröffentlicht. Dieses liegt auch dem BMVg als Beitrag der FDP zu den aktuellen Strukturüberlegungen vor.
    Lesen Sie mehr unter: http://aussen-sicherheitspolitik.de/?p=2640

Hinterlasse einen Kommentar

Deutsches_Interesse
quo_vadis_Bw






    quo_vadis_Bw


    Freiheit.orgtrennerFDP im BundestagFDP Bundespartei
     
    Startseite Allgemein Außen- & Sicherheitspolitik Regionen Veranstaltungen
    Über uns Buchtipps Deutsche Außen- & Sicherheitspolitik Afrika
    Autoren TV- und Hörfunktipps Europäische Außen- & Sicherheitspolitik Amerika Videos
    Kontakt Rüstung und Beschaffung Asien
    Impressum ehem. Sowjetunion LFA Aktuell
    Archiv Bundeswehr Europa LAK JuLis
    Naher Osten Parteinachrichten