Kettenschild gegen Piraten – das Anti-Schiffsentersystem (ASES)

23. Januar 2012 | Von | Kategorie: Leitartikel

Bildquelle: © Rosel Eckstein  / pixelio.de

Bildquelle: © Rosel Eckstein / pixelio.de

Stacheldraht, Abschmierfett, Elektroweidezäune, Wasserschläuche, Scheinwerfer oder privates Sicherheitspersonal (zu teils hohen fünf oder sechsstelligen Beträgen) sind zur Zeit die gängigsten Mittel zur Piratenabwehr. Doch nicht nur die Kosten oder die Effizienz dieser Maßnahmen sind alles andere als optimal, auch die Erfolge lassen sehr zu wünschen übrig. Nach wie vor sind die internationalen Handelswege unsicher und die Anzahl der Piratenüberfälle auf zivile Schiffe steigt kontinuierlich an. Abhilfe könnte ein neues, weltweit einzigartiges mechanisch-hydraulisches Anti-Schiffsentersystem (ASES) genannt, bringen.

Die Idee erscheint unkonventionell und kam dem Erfinder (Dipl.-Ing. Maschinenbau) auf der Autobahn. Nachdem er sich seit Anfang 2011 mit dem Problem der Seepiraterie befasst hatte, erblickte er im Vorbeifahren einen Mitarbeiter der Straßenmeisterei welcher das Gras um die Verkehrsschilder und Befestigungen der Leitplanken mit einer Motorsense abmähte. Die Fliehkraft der rotierenden Fadenenden der Motorsense brachte ihn auf die Idee, dass dieses Prinzip auch bei Ketten an einem schnell laufenden Rotor möglich sein müsste und Geschosse ablenken kann. So fing er an, zu konstruieren und schuf ein System, das Hochseeschiffe für die heutigen Piraten uneinnehmbar machen könnte. Dabei arbeitet das neue System vollautomatisch, macht teures externes Sicherheitspersonal teilweise überflüssig und ist Abwehrversuchen mit Wasserschläuchen & Co massiv überlegen.

Bildquelle: Heinz Weiß

Bildquelle: Heinz Weiß

 

Systembeschreibung

Das Anti-Schiffsentersystem (ASES) besteht aus fünf Kompetenten und wiegt in der Standardversion etwa 800-1200 kg:

  1. Adapterplatte/Schnellwechselsystem fest am Schiff angebaut
  2. Seitenschwenkauslegerarm/Schnellwechselsystem (Rotorkopfhalterung)
  3. Hydraulikmotor mit Kettenrad und Ketten Schnellwechselsystem
  4. Hydraulikantrieb Steuerblock / Ventile
  5. E – Steuerung – Systemüberwachung

Wie auf den Bildern zu sehen ist, ist am Auslegerarmende des Seitenschwenkausleger ein Hydraulikmotor mit Kettenrad, Rotorkopf und Rotationsdämpfer montiert.

Der Seitenschwenkauslegerarm besteht aus N-A-XTRA / XABO Stahl, der für die Verringerung des Eigengewichts von hoch beanspruchten Stahlkonstruktionen ausgelegt ist. Zusätzlich zur Verzinkung schützt ihn ein Marinelack mit Nano Protect vor Seewasser und Salzluft. Rotorkopf und Kettenrad mit Ketten sind aus Edelstahl oder aus schussfesten Kunststoffketten. Letzte verhindern bei Tankern einen Funkenflug aufs Schiffsdeck.
Alle zum Einbau verwendeten Teile sind ebenfalls seewasserfest und sogar der Hydraulikmotor ist so ausgelegt, dass er nicht nur Seewasser aushält, sondern auch als Unterwassermotor auf See verwendet werden könnte.
Der Hydraulikantrieb für das gesamte System kann jedoch auch von der Bordhydraulik übernommen werden – wenn das Schiff es zulässt.

Die Modularität des Systems lässt es ferner zu, dass bei Schiffen mit bordeigenen Deckkränen der Rotorkopf des ASES am Kranarmende montiert werden kann. So kann dieses ASES alleine (oder in Verbindung mit weiteren Anti-Schiffsentersystemen an der Bordwand) die nötige Sicherheit gewährleiten. Der Rotorkopf mit Ketten kann ohne Behinderung der normalen Kranarbeit an der Kranarmspitze befestigt sein und verbleibt in aufgerollter Transportstellung. Die vorhandene Kranhydraulik wird am Rotorkopf beaufschlagt.

Funktionsweise und Wirkung

Bei normaler Fahrt befindet sich der Seitenschwenkarm mit montiertem ASES in Transportstellung (Bild 1). Somit kommt es zu keiner Behinderung des Schiffsbetriebs und der Deckarbeiten.
Bei Nebel oder Nachtfahrt kann das ASES über Sensoren bei Halblast in Abwehrstellung gehalten werden. Dadurch ist eine Alarmbereitschaft gegen Überraschungsangriffe sichergestellt.

Bei einem unmittelbar bevorstehenden Piratenangriff wird das System per Knopfdruck gestartet (wahlweise auf der Kommandobrücke oder dem Schiffsdeck). Dabei liegt die Reaktionszeit nach dem Start an Bug sowie Heck bei etwa drei Minuten, an Backbord sowie Steuerbord bei sechs bis acht Minuten.

Nach der Aktivierung werden alle ASES in Abwehrstellung gebracht indem sie ausschwenken. Wahlweise stehen die Systeme daraufhin je nach Schiffsgröße 5 – 30 m vom Schiffskörper entfernt – wobei die Kranmimik auch manuell bis auf zwei Meter an die Schiffsaußenwand heran geschwenkt werden kann (Bild 2).
Der am Kranarmende montierte Rotorkopf (Schnellläufer) bringt nun das Kettenrad mit hoher Drehzahl zur Rotation (Abwehrstellung) und sorgt dafür, dass das ASES in volle Abwehrbereitschaft sicherstellt.
Durch die Steuerung der Seitenschwenkausleger (SPS) hat jeder Kranarm eine fest programmierte stabile Stellung in der er bei hoher Drehzahl des rotierenden Rotors bleibt. Trotzdem sind die einzelnen ASES jederzeit auch manuell zu steuern (Heben – Senken – Schwenken rechts – links).

Durch die Platzierung der ASES hat das Schiff ringsum an jeder Stelle vollen Schutz. Auch ein Absetzen moderner Hi-Tech-Piraten mit Helikoptern wäre unmöglich, da die ASES auch in horizontaler Abwehrstellung gehalten werden können.

Bei starkem Seegang werden alle ASES in horizontale Stellung gebracht und bei voller Drehzahl des Rotors über Wasser gehalten, wobei der Auslegerarm automatisch in Auf- und Abwärtsfunktion wechselt.

Durch die Rotation des Kettenrads tauchen die Kettenenden/-spitzen je nach Eintauchtiefe in das Seewasser ein (Eintauchtiefe variabel). Dadurch kann automatisch eine Wasserwand um das Schiff hochgezogen werden, die die Sicht der Angreifer auf das Schiff massiv einschränkt und einen Beschuss erschwert. (Bild 3)

Doch auch ein direkter Beschuss stellt kein Problem dar. Durch die hohe Drehzahl der gegenläufig rotierenden Kettenräder und die Anzahl der montierten Ketten wird eine fast undurchdringliche „Kettenwand“ erzeugt. Sie lenkt im Ernstfall einen großen Teil der Geschosse ab. Die Gefahr von Querschlägern bleibt jedoch bestehen.
Durch die fiktive rotierende Stahlscheibe aus Ketten die 5 – 30 m vom Schiffskörper entfernt aufgebaut wird ist ein erfolgreicher Panzerfaustbeschuss auf das Schiff ebenfalls äußerst fraglich. Dem ist so, da ein Panzerfaustgeschoss eine Strecke von ca. 180 – 240 m/sec zurücklegt. Die Kettenumdrehungsgeschwindigkeit des ASES liegt hingegen bei ca. 1000 Kmh – was 280 m/sec entspricht. Eine Flugbahnablenkung bzw. Flugbahnstörung ist somit nahezu sicher – eine Ablenkung der Geschosse durch die gegenläufigen Kettenräder ist möglich.

Zusätzlich zur praktischen ist die psychologische Wirkung des Systems zu bedenken. Piraten die ein Schiff mit einer Wand aus gegenläufig rotierenden Ketten hinter einer fast undurchsichtigen Wasserwand sehen, dürften sich den Angriff wohl überlegen.

Aus- und Nachrüstung

Das ASES eignet sich für jedes Hochseeschiff, egal ober Neubau oder Nachrüstung und kann über ein Schnellwechselsystem von einem auf ein anderes Schiff übertragen werden. Dazu müssen auf dem Schiff nur Adapterplatten zur Aufnahme des ASES eingebaut werden.

Das Anti-Schiffsentersystem als Schnellwechselsystem hat den großen Vorteil, dass Schiffe vor dem Auslaufen auf gefährdete Routen mit dem System ausgestattet werden können. Befahren sie hingegen sichere Gewässer, ist das System einfach zu entfernen, um auf andere Schiffe übertragen zu werden oder im Hafen zu verbleiben. Reedereien benötigen somit weniger Einzelsysteme und sparen Kosten – ein Faktor, der sich wiederum auf die Transport- und folglich auch die Warenpreise auswirkt.

Sogar ein Verleihsystem ist auf Grund der Modularität denkbar. Auf diese Weise bräuchten die Systeme nur dann von den Redereien bezahlt werden, wenn eine kostengünstige Möglichkeit zum Schutz von Crew und Schiff für erforderlich gehalten wird.
Die Schiffe müssten zur Aufnahme des ASES lediglich über das Schnellwechselsystem verfügen, bei dem das System über die Adapterplatten vorgesehenen Position eingebaut wird. Außerdem muss die Stromversorgung zu allen vorgesehenen ASES Positionen installiert werden und im Falle der Übernahme der Bordhydraulik (an Stelle der ASES-Hydraulik) ein Anschluss an die Hydraulikleitungen sichergestellt werden.

Fazit

Das Anti-Schiffsentersystem (ASES) erscheint unkonventionell, doch äußerst wirkungsvoll. Auch wenn das System noch nicht im Einsatz ist, haben erste Tests die Leistungsfähigkeit bereits belegt.
Somit könnte das ASES schon bald das Leben der Seeleute schützen, die Sicherheit der Schiffe gewährleisten und das Seeverkehrsgewerbe
weltweit unabhängiger von fremden Schutz machen. Staatliche Schutzmaßnahmen sowie Schutzmaßnahmen der Reeder bzw. Reedereien durch private Firmen könnten bei Schiffen mit ASES deutlich verringert bzw. teils überflüssig werden.

Bleibt also zu hoffen, dass interessierte Firmen oder Reeder Interesse entwickeln und das System weiteren praktischen Tests bzw. dem aktiven Einsatz unterziehen.

Käufer bzw. Investoren werden noch gesucht. Wie der Erfinder des ASES Systems, gegenüber GLOBAL OBSERVER außerdem deutlich machte, stünde er als technischer Berater zum Einbau des ASES in Werften und Reedereien zur Verfügung.
Auch 2001 wurde Herrn Weiß ein Patent erteilt. Bezeichnung: Antriebsvorrichtung – Schiffspropeller (Patent Nr. 195 41 746 DE IPC: B63H 5/15)
Weitere Informationen und direkten Kontakt erhalten Sie über GLOBAL OBSERVER.

 

For international information: ENGLISH VERSION (PDF)

Michael Weis

Michael Weis ist Politikwissenschaftler sowie Biologe und Herausgeber des GLOBAL OBSERVER. Er ist außerdem in verschiedenen Ehrenämtern tätig (u.a. als erster Stv. Landesvorsitzender der VdRBw, Vorsitzender des Landesfachausschusses Außen- & Sicherheitspolitik der FDP RLP und als Forenleiter der Friedrich-Neumann-Stiftung). Michael Weis unterstützt ferner als Referent verschiedene Institutionen & Vereinigungen wie beispielsweise die GfW, den Kyffhäuser Bund und ILI.

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